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Kaffeekulturen weltweit – Frankreich und Spanien Teil 5

Petit Café de France

In Frankreich gehören Straßenkaffees zum Stadtbild wie in vielen Ländern, aber mit dem Unterschied, dass vor einem halben Jahrhundert der Kaffeeverzehr unter freiem Himmel nur ein französisches Privileg war. Das schwarze Gold verzehrt man hier entlang der großen Boulevards St. Michel und St. Germain, auf korbgeflochtenen Stühlen und an kleinen Marmortischen mit geschnörkelten Füßen. Hier versteht man es, den Kaffee in Ruhe bei einer Zeitschrift und in Gesellschaft guter Freunde zu genießen.

Kaffeekultur Frankreich

In der Regel trinkt man immer nach dem Essen einen Espresso, der hier einfach „café“ genannt wird wie in Italien auch. Viele Variationen mit Milch wie Latte Macchiato oder Cappuccino bekommt man hier eher schwer. Der kleine Schwarze wird auch auf dem Weg zur Arbeit in einer Bar oder nach dem Mittagessen in der Cafeteria getrunken.

Auch die praktischen Coffee-to-go Becher kennen die Franzosen kaum, was für die USA wohl schwer vorstellbar sein wird. Starbucks hat mit den ersten Filialen in Frankreich von 2004-2008 große Verluste geschrieben.

Zum Kaffee bekommt man eigentlich keinen Kuchen, sondern Sandwiches oder andere herzhafte Beilagen. Um Süßes zum Kaffee genießen zu dürfen, muss man schon den „Salon de Thé“ besuchen, der oft an eine Bäckerei angeknüpft ist. In diesem Café bekommt man ziemlich schnell die Rechnung, was einen aber nicht zum Gehen auffordern soll, sondern man kann sogar den passenden Betrag auf den Tisch legen und einfach gehen wann man will.

Wenn man in Frankreich ein Restaurant besucht, setzt man sich nicht gleich an den erstbesten Tisch, sondern wartet am Eingang bis der Ober die Sitzplätze zuweist. Außerdem sollte man wissen, dass Frankreich als das Land mit den strengsten Tischmanieren gilt, wo Schlürfen und Schmatzen absolut tabu ist.

Frankreich wird hauptsächlich von dem US-Konzern Kraft Foods aus Illinois mit Kaffee versorgt, was den Franzosen aber ziemlich gleichgültig ist. Nur wenige machen sich um den Kaffee richtige Gedanken, eher um den Rotwein, den Käse und die Austern.

 

Spezialitäten

Café noir             schwarzer Kaffee in ganz kleinen Tassen

Café arabe         Arabischer-/Türkischer Kaffee

Café au lait         Starker Cappuccino mit wenig Milchschaum

Café brulot oder Café royal        Weinbrand oder Cognac mit Zucker flambiert und Kaffee aufgegossen

Café au Kirsch   schwarzer Kaffee in einer Schale, dazu Kirschwasser (Spirituose) in einer Karaffe oder auch mit Rum oder Cognac

Canard schwarzer Kaffee oder Espresso mit Marc de Champagne und Zucker

 

Wissenswertes

Kürzlich hat die Unesco das typische französische Menü mit Apéritif, Vorspeise, Hauptgericht, Nachtisch, Käse und Kaffee zum Weltkulturerbe erklärt.

Laut der Internationalen Kaffee-Organisation (ICO) trinken die Franzosen 2,5 Tassen am Tag – die meisten davon schwarz. In Deutschland sind es laut ICO rund 3,4 Tassen Kaffee täglich.

Die Franzosen haben sich nicht an Starbucks angepasst sondern umgekehrt. Die Kette nahm zum Beispiel extra den „Café gourmand“ ins Sortiment auf. Eine französische Spezialität mit starkem Espresso und drei kleinen Makronen, weit entfernt von den handelsüblichen Halbliterbechern mit den schokoladenüberzogenen Muffins.

 

Traum der iberischen Halbinseln

(Spanien, Portugal, Andorra, Gibraltar)

Im 17. Jahrhundert lieferten Geschäftstüchtige Venezianer den ersten Kaffee nach Europa. Bis der in Spanien, Portugal, Gibraltar und Andorra landete dauerte es noch ein wenig, wahrscheinlich brachte einst der Bourbonenkönig Felipe V. den Kaffee auf die Iberischen Halbinseln. Darüber streiten die Historiker sich noch. In Spanien wird nun natürlich auch schon sehr lange Kaffee getrunken, allerdings hat sich hier weniger eine eigenständige Kaffeekultur entwickelt, die sich von anderen Ländern klar abhebt.

Der Kaffee ist etwas stärker und weniger bitter, da die Bohnen im Torrefacto-Verfahren geröstet werden und hauptsächlich Robusta-Bohnen verwendet werden. Bei dem Röstverfahren wird Zucker hinzugefügt, damit die Bohnen karamellisieren und somit der Säuregehalt reduziert wird. Der teure Arabica-Kaffee wird immer weniger konsumiert, lieber wird ein günstiger Supermarkt-Kaffee gekauft und Spaniens Cafés haben es deshalb nicht leicht.

Kaffeekultur Spaniens

Die Spanier kommen da etwas nach den Italienern, denn hier wird auch gerne ein schneller Muntermacher in einer Bar an der Theke zu sich genommen und die Straßencafés dienen mehr als Treffpunkt der Touristen. In Bars bestellt man nur „un café“, ein Espresso auch „café solo“ genannt, also ohne Milch aber mit Zucker.  Viele Einheimische genießen Ihren Kaffee aber auch zum Frühstück mit einem Schuss Brandy. Das nennt man dann „Carajillo“ und sorgt für kurze Betäubung der Magennerven, aber auch für Wärme und eine Art Reinigung.

Die Cafés und Bars sind meist schlicht und zweckmäßig eingerichtet, dennoch gibt es hier berühmte Cafés wie das „Zurich“ in Barcelona an der Placa Catalunya, das „Brasileira“ in Lissabon und das „Gran Café de Gijón“ an Madrids Flaniermeile Paseo de Recoletos. 1888 wurde das „Gijón“ gegründet und repräsentierte lange Zeit die Seele des Kulturlebens Madrids und war damit ein beliebter Treffpunkt der internationalen Kulturszene.

 

Spezialitäten

Café con leche  Milchkaffee

Café americano               Filterkaffee, manchmal auch ein mit Wasser verlängerter Café solo

Café con hielo oder Café con tiempo     Zum Kaffee wird ein Trinkglas mit Eiswürfeln serviert, über die nach dem Zuckern der Kaffee gegeben wird

Carajillo               Mit einem Schuss Likör, Brandy (Cognac) oder Rum. Als Dekoration werden Kaffeebohnen und ein Stück Zitronenschale ins Glas gegeben

Café Bombón    Gezuckerte Kondensmilch wird mit Espresso aufgegossen und in einem kleinen Glas serviert

Azúcar  Espresso aus Kaffeebohnen, die bei der Röstung leicht kandiert wurden

 

Wissenswertes

„Cafés Ibiza“ beliefert 80% der Insel Ibiza mit ihrem Kaffee, den man von Deutschland nicht erwerben kann und die Rezeptur ist streng geheim. Es ist ein ganz besonderer Geschmack.

Ein traditionelles Kaffeegetränk auf Ibiza ist der „Café Caleta“ mit einem Schuss Weinbrand.


Lesen Sie auch unsere anderen Teile der Serie “Kaffeekulturen”:
Kaffeekulturen weltweit- Teil 1 – Türkei und Österreich
Kaffeekulturen weltweit- Teil 2 – USA und Deutschland
Kaffeekulturen weltweit- Teil 3 – Italien
Kaffeekulturen weltweit- Teil 4 – Schweiz und Schweden
Kaffeekulturen weltweit- Teil 6 – Thailand und Äthiopien

 

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