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Kaffeekulturen weltweit – Thailand und Äthiopien Teil 6

Schwarzes Elfenbein der Thailänder

Man mag annehmen, dass in Thailand der Kaffee nicht so eine große Rolle spielt. Die Entwicklung zeigt aber, dass Kaffee stetig mehr konsumiert wird und mit über 80.000 Tonnen Robusta-Bohnen pro Jahr ist Thailand mittlerweile dritter unter den südostasiatischen Kaffeeproduzenten. Der Kaffeeanbau sollte zuerst nur eine alternative für Opium-Bauern sein, doch mithilfe des seit 1946 regierenden Monarchen Bhumibol Adulyadej Rama IX setzte sich die Produktion von hochwertigem Bio-Kaffee flächendeckend durch.

Einige der dort gewonnen Arabica-Sorten sind echte Spitzenkaffees, da diese ressourcenschonend, nachhaltig und ohne Chemikalien angebaut werden. 72 Prozent aller Thais leben und arbeiten in winzigen Agrar-Parzellen unter eher schlechten Bedingungen. Die Bergvölker vermarkten ihre Kaffeebohnen selbst, wodurch sich die Lebensqualität und Infrastruktur verbessert hat.

Bis vor wenigen Jahren konnte man nur gemahlenen Kaffee in ein paar Kneipen trinken. Das hat sich aber mit der Zeit geändert und nun bekommt man fast überall guten Cappuccino oder Espresso. Eine entscheidende Rolle bei der Kaffeeentwicklung spielte wohl der Riesenkonzern Starbucks, der die Thailänder erst zu einer kaffeetrinkenden Nation machte. Weitere Kaffeebars wie Coffee World, Black Canyon Coffee, Boncafe und Delifrance sind ebenso beliebt. Am liebsten konsumieren die Thais hier stark gesüßten Eiskaffee.

Frei übersetzt heißt ein thailändisches Motto: „Kaffee sollte schwarz wie der Teufel, heiß wie die Hölle, pur wie ein Engel und süß wie die Liebe sein.“ Die Thailänder geben demnach in ihren Kaffee Gewürze und Zucker, jedoch keine Milch.

Als größter Kaffee-Exporteur in Thailand erforschte NESCAFÉ neue Möglichkeiten für die Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft – nicht nur zur Optimierung der Kaffeeproduktion, sondern auch als Unterstützung der Kaffeebauern zur Steigerung ihres Einkommens. Bildung und Schulungen waren wesentliche Bestandteile und tragen noch heute zur Verbesserung der Lebensqualität von Kaffeebauern in Thailand bei.

Aktuell werden pro Jahr in Thailand nur gerade ein paar hundert Tonnen Arabica-Bohnen in den hohen Bergen des Nordens produziert, während von der für den Massenmarkt bestimmten Robusta-Bohne pro Jahr rund 80.000 Tonnen im Süden des Landes geerntet werden. Pro Jahr verbraucht ein Thai im Durchschnitt gerade mal 1/2 kg Kaffeebohnen. Die Deutschen dagegen 8 kg pro Jahr.

 

„Black Ivory“ Kaffee

Es gibt etwas, was die Thailänder in Hinsicht auf die Kaffeeproduktion ganz besonders macht: Sie stellen eine Kaffeesorte namens „Black Ivory“ (schwarzes Elfenbein) her. Dieser ist so einzigartig, da der Kaffee aus Elefantenkot gewonnen wird.

Die Herstellung des Black Ivory: Die Kaffeekirschen der Sorte Thai Arabica, die in der Region auf 1500 Meter wachsen, werden von den Elefanten gefressen und im Inneren veredelt. Anschließend werden die Bohnen mit Glück im Ganzen wieder ausgeschieden, aufgesammelt und in der Sonne getrocknet. Der Geschmack sei ganz besonders mild, da die Bitterstoffe in den Kaffeebohnen durch die Verdauungsenzyme im Magen des Tieres zersetzt werden sollen.

Der ganze Prozess soll für die Elefanten unbedenklich sein, da Koffein erst beim Kochen freigesetzt wird und die Tiere nicht gemästet werden. Der Vorgang ähnelt dem durch indonesische Schleichkatzen gewonnene „Kopi Luwak“ Kaffee, der aber eher „erdig“ schmecken soll und mit Tierquälerei verbunden ist.

 

-Acht Prozent des Verkaufserlöses des Black Ivory Kaffees fließen in ein Tierschutzprojekt

-Für ein Kilo Black Ivory Kaffee werden 10.000 Bohnen benötigt

-Black Ivory ist einer der teuersten Kaffees mit rund 850 Euro pro Kilo

 

Ursprungsland des Kaffees – Äthiopien

Äthiopien ist der größte Produzent und Exporteur von Kaffee in Afrika und zudem das offizielle Geburtsland des Kaffees. Die Kaffeekulturen entwickelten sich schon von dem 9. Jahrhundert an und mittlerweile leben mehr als 15 Millionen Menschen vom Kaffeeanbau.

Die Kaffeeproduktion weitete sich in Äthiopien besonders vom 17. bis zum 19. Jahrhundert aus. Es wurde hauptsächlich Harari-Kaffee aus Harar im Osten und Abyssinia- oder Abessinia-Kaffee aus wild wachsenden Bohnen produziert. Gehandelt wurde dieser dann von arabischen Händlern auf Kamelen und Eseln und verschifft am Hafen Al Mokha am Jemen.

Äthiopien gehört leider zu den ärmeren Ländern weltweit. Die Kleinbauern werden auch noch massig von den Kaffeeweltmarktpreisen unter Druck gesetzt, besonders durch die Länder Brasilien und Vietnam. Daher werden viele Hilfsprojekte für Äthiopien mit dem Kaffeeanbau ins Leben gerufen, da dies eine gute Einnahmequelle ist die weiter ausgebaut werden kann.

 

Kaffeeverarbeitung in Äthiopien

Mit der Zeit hat sich bezüglich der Kaffeeproduktion nicht viel geändert. Der Kaffee wird teilweise mit kleinsten Maschinen produziert. Des Weiteren werden die gleichen Arabica-Bohnen verarbeitet, die zumeist in naturbelassenen Waldgärten geerntet werden. Der Großteil der Kaffees kommt aus dem Hochland rund um die Hauptstadt Adis Abeba. Die Kaffees sind nach den Herkunftsregionen benannt, wie Yirgacheffe, Sidamo und Limu.

Der Kaffee wird gewaschen oder Sonnengetrocknet und geht zur Versteigerung an die Exportunternehmen nach Addis Abeba oder Dire Dawa. Hierbei werden zwanzig Schüsseln mit ein Paar Kilogramm Kaffee pro Sorte ausgestellt und mit Informationen über die Herkunft und damit Eigenschaften versehen. Die Regierung Äthiopiens führt die Versteigerung durch.

 

Eine Kaffeezeremonie im Mittelpunkt

Kaffee zubereiten ist in Äthiopien großer Bestandteil des täglichen Lebens. Besonders auf dem Land lebende Familien kommen jeden Tag drei Mal zur Kaffeezeremonie beisammen.

Diese findet folgendermaßen statt: Grüne Bohnen werden über einer offenen Feuerstelle geröstet und der Duft jedem zugefächert. Nun werden die Bohnen zerkleinert und gemahlen. Das Kaffeepulver wird ins Wasser gegeben und über der Glut erhitzt. Der Kaffee wird insgesamt 2- bis 3-mal aufgebrüht, manchmal mit Gewürzen wie Kardamom oder ein Stück Butter. Äthiopier essen aber auch Popcorn dazu oder verbrennen etwas Weihrauch. Drei Tassen erhält jeder Gast, mit jeder wird der Kaffee ein bisschen schwächer.

Die Zeremonie dient zwar auch dem Kaffee Genuss, jedoch vielmehr dem allgemeinen Segen der Anwesenden und das Erzählen von Problemen. Die Kaffeezeremonie ist eine Jahrhunderte alte Kaffeetradition und ein wichtiges soziales Ereignis geworden.

 

Wissenswertes

-Die Kaffeesorte Arabica kommt ursprünglich aus Äthiopien und nicht Brasilien

-Der im Jahr 2005 von Äthiopien beantragte Markenschutz für die drei Anbauregionen Yirgacheffe, Harrar und Sidamo konnte nach einem Rechtsstreit mit der Kaffeehauskette Starbucks im Jahre 2007 per Vergleich beigelegt werden, nachdem Starbucks mit der Sorte Shirkina Sun-Dried Sidamo außerordentliche Profite erzielt hatte, ohne die Produzenten daran zu beteiligen

-Der Agrarsektor ist einer Reihe von Problemen ausgesetzt. Dazu gehören periodische Dürren, Erosion durch Überweidung, Entwaldung, die hohe Bevölkerungsdichte, hohe Steuersätze auf agrarische Erzeugnisse und eine schlechte Infrastruktur, welche den Marktzugang erschwert

-Die wichtigsten Absatzmärkte für äthiopische Produkte sind die Schweiz, Deutschland und China

-Äthiopien ist einer der Top-Produzenten nach Weltmarktanteil:

 

Lesen Sie auch unsere anderen Teile der Serie “Kaffeekulturen”:
Kaffeekulturen weltweit- Teil 1 – Türkei und Österreich
Kaffeekulturen weltweit- Teil 2 – USA und Deutschland
Kaffeekulturen weltweit- Teil 3 – Italien
Kaffeekulturen weltweit- Teil 4 – Schweiz und Schweden
Kaffeekulturen weltweit- Teil 5 – Frankreich und Spanien

 

 

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